von Simone P.
Diplom-Ökotrophologin

WAS machen die Hormone der Schilddrüse?

Die Bedeutung der Schilddrüse für unseren Körper ist vergleichbar mit der des Motors für ein Auto. Jede einzelne Zelle hat Rezeptoren für Schilddrüsenhormone und so sorgt das Organ dafür, dass in jeder Zelle Energie erzeugt werden kann. Dadurch wird logischerweise nicht nur unser Grundumsatz und damit unser Körpergewicht mit beeinflusst. Die Schilddrüse unterstützt so auch Wachstum von Haaren, Nägeln, Knochen und sorgt für schöne Haut. Auch die Körpertemperatur steht unter dem Einfluss der Schilddrüse sowie die Nährstoffaufnahme, Verdauung und Fortpflanzung. Ganz schön viel, oder? Es kommt noch was dazu! Auch die Psyche wird über den Stoffwechsel der Nervenzellen maßgeblich beeinflusst und damit auch, wie wir uns fühlen, welche Stimmung wir haben, ob wir uns konzentriert und leistungsfähig fühlen.

WOHER bekommt die Schilddrüse soviel Macht

Nun haben wir den Motor unter der Haube, dennoch bestimmt der Fahrer über das Gaspedal wie schnell er fahren will. Der Fahrer ist in dem Fall die Hypophyse – eine endokrine Drüse im Gehirn. Diese schüttet je nach Bedarf viel oder wenig „TSH“ (thyroideastimulierendes Hormon) aus und teilt der Schilddrüse so mit, wie viel Schilddrüsenhormone produziert werden sollen. Die Hypophyse hingegen hat auch wieder einen „Fahrer“ – nämlich dem Hypothalamus. Er ist praktisch derjenige, der über das Rennen entscheidet, der alles im Überblick behält und im Notfall auch eingreift. Der Hypothalamus ist so wichtig, weil er das Hormonsystem praktisch mit dem Nervensystem verbindet.

Pyramide mit Lebensmitteln zum Abnehmen bei Hypothyreose
Infografik: Lebensmittelauswahl bei Hypothyreose

WELCHE Hormone produziert die Schilddrüse und was machen die?

Die Schilddrüse produziert u.a. zwei Hormone, nämlich das „T4“ als inaktives Speicherhormon sowie das „T3“ als aktives Schilddrüsenhormon. T4 wird in der Leber sowie im Darm in das aktive T3 umgebaut. Erst dann kann es an Zellen andocken und den Energiestoffwechsel in Gang bringen. So erhöht T3 beispielsweise auch den Sauerstoffverbrauch und Energieumsatz in den Mitochondrien (den „Kraftwerken“ unserer Zellen). So wird dann Traubenzucker (Glukose) verbrannt und auch Körperfett zur Energiegewinnung herangezogen. Genau DAS ist ja beim Abnehmen ein primäres Ziel: Fett abzubauen! Die „Nebenwirkungen“: Sie fühlen sich leistungsfähig, wach und konzentriert. Das heißt also, wie viel körperliche und geistige Energie wir verfügbar haben, hängt von unserer Schilddrüse ab – doch ein Grund mehr, das kleine Organ – nicht dem Abnehmen wegen – zu hegen und pflegen! Umgekehrt fühlt man sich bei einem Mangel niedergeschlagen, u.U. sogar depressiv, hat schlechtere Haut, Nägel und Haare und mit dem Abnehmen will es auch nicht klappen!

WELCHE Erkrankungen der Schilddrüse gibt es?

Neben der angesprochenen Unterfunktion – der „Hypothyreose“, bei welcher oft Hormone („L-Thyroxin“) eingenommen werden müssen, gibt es auch eine Überfunktion, das typische „Struma“ („Kropf“) sowie die Autoimmunerkrankung Hashimoto, die sowohl mit Unter- als auch Überfunktion verbunden sein kann. Die genaue Beschreibung der einzelnen Erkrankungen würde jetzt hier zu weit führen. Wenn Sie jedoch an einer dieser Erkrankungen leiden, kommen Sie gerne zu mir in die Ernährungstherapie – die Krankenkasse bezuschusst/bezahlt die Beratungen! Das Formular zur „Verschreibung“ der Ernährungstherapie finden Sie unter Ernährungsberatung bei Krankenkasse abrechnen – So geht’s.

Grafik zu Erkrankungen der Schilddrüse und Einfluss auf die benötigte Energiemenge
Infografik: Erkrankungen der Schilddrüse und Einfluss auf die benötigte Energiemenge

WIE beeinflusst die Schilddrüse das Körpergewicht beim Abnehmen?

Die erste „Nebenwirkung“, die Sie bei einer Unterfunktion bemerken werden, wird wahrscheinlich die Gewichtszunahme sein! Und das, obwohl Sie gefühlt nicht anders gegessen oder sich bewegt haben als sonst. Auch Reduktion der Kalorien (eine „Diät“) oder vermehrte Bewegung schlagen meist fehl. Die über die Nahrung aufgenommene Energie in Form von Kalorien können nicht mehr so effektiv verbrannt werden. Sie erinnern sich? Die Zellkraftwerke (Mitochondrien) laufen einfach nicht auf voller Power! Was passiert mit dem Teil aufgenommener Energie, die nicht verbrannt wird? Sie wird in Form von Fett eingelagert! Folge: Sie nehmen zu. Auch Wassereinlagerungen sind die Folge. Ob die Gewichtszunahme aus Wasser oder Fett besteht, sehen Sie auf einer normalen Körperwaage natürlich nicht. Dazu kommt noch, dass die ständige Müdigkeit und Antriebslosigkeit Ihnen auch die Motivation für mehr Bewegung nimmt. Häufig wird dann zu Kaffee, Zucker und Kohlenhydraten in Form von schneller Energie (Süßes) gegriffen. Ein FATALER FEHLER. Wenn Sie neugierig sind, schauen Sie sich hierzu den HEISSHUNGERKREISLAUF im Ratgeber Insulin an.

Dadurch werden noch mehr Kalorien aufgenommen und Sie landen in besagtem Teufelskreis aus Zucker, Heißhunger, wieder Zucker….welcher mit erhöhtem Blutzuckerspiegel und erhöhten Insulinspiegeln (Insulin ist ein Speicherhormon!) einhergeht. Aber nicht nur der Insulinspiegel ist betroffen, auch auf den Cortisolspiegel wirkt das negativ, was zusätzliche Fetteinlagerungen begünstigt.

Jetzt fehlt uns eigentlich nur noch eins der Fettspeicherhormone: nämlich Östrogen – auch Östrogen wird provoziert! Da nämlich durch den Mangel an Schilddrüsenhormon auch die Entgiftung / Verdauung träge läuft, können Östrogene und östrogenartige Verbindungen aus der Umwelt nicht richtig ausgeschieden werden. Dies führt zu einem Östrogenungleichgewicht, was wiederum wozu führt? Gewichtszunahme! Sie sehen also: ohne bzw. mit zu wenig Hormonen der Schilddrüse läuft praktisch NICHTS beim Abnehmen!.

Schilddrüsenunterfunktion: So entsteht sie

In den meisten Fällen ist eine Autoimmunerkrankung bzw. Entzündung die Ursache für die Funktionsstörung. Das Immunsystem ist praktisch „fehlgeleitet“ und agiert gegen sich selbst, also das Schilddrüsengewebe. Es werden Autoantikörper gebildet, die eine Entzündungsreaktion auslösen und beginnen das Schilddrüsengewebe zu zerstören. Praktischer Hinweis: Wenn eine Unterfunktion vorliegt, sollten neben den normalerweise nur im Blut bestimmten Werten des TSH/T3 und T4 auch die Schilddrüsenantikörper überprüft werden. Eine Unterfunktion kann auch auf funktionellem Wege entstehen, z.B. durch ein Ungleichgewicht anderer Hormone. So drosselt chronischer Stress (Cortisol!) die Schilddrüsenaktivität, um Energie zu sparen und vor weiterer Überlastung zu schützen. Das funktioniert über eine Drosselung des Progesterons – einem Sexualhormon. Umgekehrt kann eine Schilddrüsenunterfunktion so übrigens einen Mangel an Progesteron und einen Östrogenüberschuss hervorrufen. Die Wirkungsweise von Hormonen finden Sie im Ratgeber „Was sind Hormone und wie wirken diese„.

Auch Umweltgifte wie Bisphenol A (BPA) oder Schwermetalle können die Schilddrüse stören. Einige Medikamente können die Schilddrüse stören, weil sie die Umwandlung der inaktiven Form in die aktive Form des Schilddrüsenhormons stören. Dazu gehören beispielsweise die Antibabypille. Cortison, Betablocker und Cholesterinsenker. Dazu gehen fast alle Unterfunktionen von einem Mangel an Jod aus, denn es wird geschätzt, dass bis die Hälfte der deutschen Bevölkerung nicht optimal mit Jod versorgt ist! Den Jodspiegel kann man beim Hausarzt über den Morgenurin bestimmen lassen. Doch nicht nur Jod, sondern auch ein Mangel an Vitamin D kann die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen, da Vitamin D eine immunmodulierende und antientzündliche Wirkung ausübt. Viele Frauen mit Hashimoto haben einen viel zu niedrigen Vitamin D Spiegel – Achtung im Winter! Wenn im Winter kein Vitamin D von außen zugeführt wird, sind wir eigentlich alle im Mangel! Auch das kann man bei Unsicherheit beim Hausarzt messen lassen. Es gibt weitere Stoffe, die die Schilddrüsenaktivität stören können, so z.B. die „Goitrogene“ aus Soja – da streiten sich aber die Geister inwieweit dieser Einfluss geht.

WELCHE Symptome hat man bei einer Unterfunktion?

  • Unklare Gewichtszunahme obwohl man „nichts geändert hat“
  • Wassereinlagerungen
  • erhöhtes Kälteempfinden / Frösteln
  • langsamerer Herzschlag
  • Müdigkeit, Schlappheit, Energielosigkeit, gedämpfte Leistungsfähigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit
  • Haarausfall, spröde, trockene Haare, brüchige Fingernägel, trockene Haut
  • schlechte Verdauung
  • Gereiztheit
  • erhöhtes Schlafbedürfnis, Einschlafprobleme
  • oft begleitet von erhöhten Cholesterinwerten
  • Muskelschwäche
GUT ZU WISSEN

Kurzum: Funktionen der Schilddrüsenhormone:

  • Energie: Regulation des Energie/Grundumsatzes, Wärmebildung, Körperwachstum, Bildung und Power er Mitochondrien (Zellkraftwerke)
  • Kohlenhydrate/Eiweiß: Erhöhung des Blutzuckerspiegels, erhöhte Neubildung und Freisetzung von Glukose, erhöhte Eiweißsynthese
  • Fette/Cholesterin: Fettabbau, Fettsäuresynthese, erhöhter Cholesterinumsatz und -abbau
  • Hormone: Bildung von Testosteron, Östrogen und Progesteron, Erhöhung von Fruchtbarkeit und Libido
  • Haut, Haare, Knochen: Wachstum, Steigerung des Wachstums an Haaren und Nägeln, Knochenwachstum sowie Längenwachstum
  • Herz&/Blut/Muskel: Steigerung von Herzfrequenz und Herzschlag, Blutbildung, Durchblutung und Blutdruck, Muskelaufbau
  • Gehirn und Sinne bei Mangel: verminderte Leistungsfähigkeit, Konzentration , Heiserkeit, tiefe und raue Stimme, Hör-, Riech-, und Geschmacksstörungen, depressive Verstimmung
  • Darm/Niere/Leber: Steigerung der Darmbewegung, Stärkung der Schleimhautbarriere in Magen und Darm, Gute Filtrationsleistung der Niere, steigert die Entgiftung durch die Leber

Dramatische Folgen einer Diät bei Schilddrüsenunterfunktion

Von typischen (Radikal)-Diäten – was eigentlich auf alle gängigen Diäten zutrifft – rate ich DRINGENST ab – erst recht und vor allem bei einer Unterfunktion der Schilddrüse. Man leidet ja eh schon unter Energiemangel. Wenn Sie Ihrem Körper jetzt noch nicht einmal die Energie geben, die er zum Überleben braucht (entsprechend dem Grundumsatz), können Sie auch keine Energie verbrennen. Von außen kommt einfach zu wenig und der Körper drosselt den Stoffwechsel weiter, da Sie ihn in einen „Notzustand“ versetzen. Daraus kann ein richtiger Teufelskreis entstehen, wenn man zu solch drastischen Methoden greift. Der Stoffwechsel wird immer weiter runterreguliert. Das wirklich einzige, was hier Sinn macht, ist eine gezielte Ernährungsumstellung in Angriff zu nehmen! Wenn Sie darüber informiert werden möchten oder damit beginnen möchten, wenden Sie sich gerne an mich!

Hormonstörer von außen

Wie beschrieben können Umweltgifte wie Bisphenol A (BPA) oder Schwermetalle die Schilddrüse stören. Einige Medikamente können die Schilddrüse irritieren, weil sie die Umwandlung der inaktiven Form in die aktive Form des Schilddrüsenhormons stören. Dazu gehören beispielsweise die Antibabypille. Cortison, Betablocker und Cholesterinsenker. Auch durch „Goitrogene“ in der Nahrung (z.B. Soja) kann die Schilddrüse gestört werden, da diese die Jodaufnahme in die Schilddrüse hemmen. Enthalten sind diese vor allem in rohen Kreuzblütengewächsen wie Brokkoli, Grünkohl, Blumenkohl, Rosenkohl, Weißkohl und Spitzkohl. Auch in Soja und Maniok finden sich Goitrogene. Das Ausmaß des Einflusses ist jedoch umstritten. Sie sollten diese Lebensmittel bei Unterfunktion oder Hashimoto möglichst nicht in rauen Mengen und roh essen. Was jedoch ziemlich klar ist, dass Menschen, die L-Thyroxin einnehmen, nicht regelmäßig und andauernd zu Sojaprodukten greifen sollten. Oft ist dann eine höhere Menge des Medikaments notwendig.

Auf WELCHE Nährstoffe besonders zu achten ist

60 % der Menschen mit einer Unterfunktion der Schilddrüse haben gleichzeitig einen Eisenmangel. Lassen Sie also regelmäßig Ihre Blutwerte checken. Denn: Eisen ist am Schilddrüsenstoffwechsel beteiligt – somit kann durch Eisenmangel ein Teufelskreis – auch beim Abnehmen – entstehen! Wenn Sie unter einer Hashimoto-Thyreoiditis leiden, sollten Sie besonders auf Antioxidantien achten, da die autoimmunologischen sowie entzündlichen Prozesse freie Radikale produzieren, die abgefangen werden sollten. Achten Sie auf Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E sowie eine ausreichende Zufuhr sogenannter „sekundärer Pflanzenstoffe“. Diese finden Sie zuhauf in Gemüse und Obst! Die Wichtigkeit von Vitamin D hatte ich bereits erwähnt. Auch Selen und Zink sind bei einer Unterfunktion unbedingt ausreichend zuzuführen. Als letzte – wirklich wichtige Stoffe möchte ich die Omega-3-Fettsäuren nennen, welche gegen jegliche Entzündungsprozesse eingesetzt werden – so auch bei Hashimoto. Ich empfehle aber generell und für jedermann darauf zu achten, da wir eigentlich alle zu wenig davon und zu viel von den falschen Fetten essen!

Alltagstipp:

In kleinen Schritten: Gesunde Ernährung bei Hypothyreose und Hashimoto

  • Essen Sie abwechslungsreich und bunt!
  • Essen Sie viel Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag
  • Achten Sie auf Ihre Energiezufuhr, eventuell Ernährungsumstellung, auch Intervallfasten kann u.U. sinnvoll sein
  • moderate Zufuhr an Kohlenhydraten
  • ballaststoffreiche Ernährung (Vollkorn, Gemüse, Obst, Nüsse, Pilze, Hülsenfrüchte)
  • gute tierische und pflanzliche Proteine (mageres Fleisch, Fisch, fermentierte Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Eier)
  • erhöhte Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren (fetter Seefisch: Lachs, Hering, Makrele, Thunfisch; Rapsöl, Walnüsse, Leinöl)
  • wenig Süßes, Fastfood und Fertigbackwaren
  • ausreichend trinken (1,5 bis 2 l je nach Größe)
  • Zum Schluss wie immer: EIN SCHRITT NACH DEM ANDEREN! ÜBERFORDERN SIE SICH NICHT!

Viel gelesene Alltagstipps

#05 Volkskrankheit Stressessen 1

#01 – Was sind Hormone und wie wirken diese?

#08 Zunehmen trotz Diät – 9 Gründe, warum das Gewicht nicht sinkt

Sie haben es selbst in der Hand! Was Sie noch tun können, um besser zu essen, abzunehmen oder Krankheiten in den Griff zu bekommen, erfahren Sie in den folgenden Ratgeberkarten! Sie trauen sich die Veränderung nicht alleine zu? Melden Sie sich gerne bei mir und vereinbaren ein kostenloses Infogespräch oder einen Termin. Reminder: Ihre Krankenkasse unterstützt Sie finanziell und übernimmt bis 100% der Kosten für die Ernährungsberatung – ich freue mich auf Sie!

Healthy Greetings / Stay healthy,

Deine Simone

Bildnachweis(e)

Animation: Position der Schilddrüse beim Menschen